Projektvorstellung – DEMO-WORK
Digitale Öffentlichkeiten sind längst zu zentralen Sozialräumen für Jugendliche geworden. Damit einher geht die Herausforderung, dass soziale Medien zunehmend als Katalysatoren für Radikalisierungsprozesse fungieren – eine Entwicklung, auf die Digital Streetwork folgerichtig reagiert. Das Wissen, die konzeptionellen Standards und die impliziten Erfahrungsroutinen in der digitalen Radikalisierungsprävention sind jedoch noch stark fragmentiert. An dieser Professionalisierungslücke setzen wir an: Das von der VolkswagenStiftung geförderte Forschungs- und Transferprojekt „DEMO-WORK“ sammelt und systematisiert das verstreute Fach- und Praxiswissen und macht es über ein wissensbasiertes System (WBS, ähnlich GPT) zugänglich. Das KI-Tool FIDAA (Fachinformation digitale aufsuchende Arbeit) greift also auf eine kuratierte Wissensbasis zurück, um typische Sprachmodell-Fehler wie Halluzinationen oder Falschinformationen zu vermeiden, und soll Praktiker*innen zur Orientierung, Einarbeitung und Reflexion dienen, während eine automatisierte Kommunikation mit den Adressat:innen im Sinne der sozialarbeiterischen Professionalität explizit ausgeschlossen bleibt.
Konzeptionell stützt sich das Projekt auf die Differenzierung, dass demokratische Radikalität als emanzipatorische Kraft für Menschenrechte und Wandel nicht per se pathologisch ist, während Radikalisierung einen Prozess beschreibt, der zu einer dogmatischen, pluralitätsfeindlichen Verengung des Denkens und Fokussierung auf Feindbilder führt.
Das in Kooperation zwischen der Hochschule Magdeburg-Stendal, der Amadeu Antonio Stiftung sowie der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen durchgeführte Projekt wird von der VolkswagenStiftung im Rahmen des Förderangebots „Transformationswissen über Demokratien im Wandel – transdisziplinäre Perspektiven“ finanziert. Unser Team vereint wissenschaftliche und praktische Expertise aus der Sozialen Arbeit, der Techniksoziologie und der Informatik/KI-Forschung. Das Vorhaben ist zudem mit dem Institut für demokratische Kultur (IdK) der Hochschule Magdeburg-Stendal assoziiert.
Professionalisierung von
Digital Streetwork
durch beratende
KI-Assistenz
Ein Projekt von
Gefördert von

Das Team
Prof. Dr. Nele Wulf
Wissenschaft
Nele Wulf ist Professorin für Digitalisierung und Soziale Arbeit an der katho Aachen. Als Techniksoziologin forscht und lehrt sie dort zu den Transformationen und der Gestaltung gesellschaftlichen Zusammenlebens unter den Bedingungen der Digitalität und beleuchtet in verschiedenen Projekten die Gestaltungsmöglichkeiten in Mensch-Technik-Beziehungen. Sie beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der Professionalisierung digitaler Arbeitsformen, sozial-ökologischer Nachhaltigkeit sowie der Rolle von Zukunftsvisionen in Innovations- und Transformationsprozessen.
Im Rahmen des von der VolkswagenStiftung geförderten Forschungs- und Transferprojekts „DEMO-WORK“ leitet sie die Zusammenführung wissenschaftlicher und praktischer Erkenntnisse. Diese speisen sich aus Expert:inneninterviews, digitaler Ethnografie sowie Dokumentenanalysen. Auf dieser Basis verantwortet sie die Konzeption und Evaluation des wissensbasierten KI-Unterstützungssystems FIDAA (Fachinformation digitale aufsuchende Arbeit), um eine fachlich fundierte Orientierungs- und Reflexionshilfe für Praktiker*innen im Digital Streetwork zu realisieren.
Christina Dinar
Wissenschaft
Christina Dinar interessiert sich für digitale Öffentlichkeiten und Technologieentwicklungen, die von Communities geprägt werden und eigene Regeln zum Umgang mit Hate Speech und Desinformation entwickeln. So entsteht für sie ein digitaler Raum, der vielfältiger, demokratischer und gemeinwohlorientierter ist – und in dem auch die Soziale Arbeit ihren Platz und ihre Aufgabe hat. Aus der Pädagogik kommend hat sie gemeinsam mit Cornelia Heyken das Konzept des „Digital Streetwork“ mitentwickelt, das bestehende Ansätze aufsuchender Unterstützungsangebote in die digitale Umwelt transformiert.
Neben ihrer Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt DEMO-WORK der Hochschule Magdeburg-Stendal promoviert sie an der KHSB Berlin/TU Berlin zu Digital Streetwork als aufsuchende Arbeit in sozialen Medien. In diesem Projekt arbeitet sie daran, mehr Fachkräften ein fundiertes Erproben von Digital Streetwork zu ermöglichen und sie für die Anwendung sowie die Potenziale des digitalen Raums zu begeistern.
David Döring
Wissenschaft
David Döring hat Informatik (M.Sc.) an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg studiert und arbeitet heute als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule Magdeburg-Stendal in verschiedenen Projekten zu Künstlicher Intelligenz. Dabei ist ihm wichtig, KI nicht als Selbstzweck oder rein kommerzielles Werkzeug zu verstehen, sondern sie gezielt dort einzusetzen, wo sie gesellschaftlichen Mehrwert schafft: gegen Desinformation statt für sie. Sein Profil ist durch mehrjährige interdisziplinäre KI-Lehre an der Hochschule Magdeburg-Stendal geprägt, in der er Schüler*innen, Studierende und Lehrende aus unterschiedlichen Fachrichtungen an KI-Themen (Programmierung, Data Sciene und Einsatz von Sprachmodellen) heranführt. Daraus ist ein starkes Interesse an erklärbarer KI und der Vermittlung technischer Inhalte in fachfremde Kontexte erwachsen.
Im Projekt DEMO-WORK verantwortet er die technische Umsetzung des wissensbasierten Systems, berät das Team in technischen Fragen und sorgt dafür, dass auch komplexe KI-Konzepte für alle Projektbeteiligten verständlich und nachvollziehbar bleiben.
Nils Fietkau
Wissenschaft
Nils Fietkau ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule Magdeburg-Stendal im Arbeitsbereich „Soziale Arbeit, Gesundheit und Medien“. Er forscht zu Habitus, Bildung und Lernen im biographischen Kontext und interessiert sich für deren Konstitution in digitalen Räumen, insbesondere für die Frage, welche Verbindungslinien hier zu Algorithmisierung und Künstlicher Intelligenz gezogen werden können. Beheimatet ist er in sozialarbeiterischen Kontexten, welche auf Mikro-, Meso- und Makroebene Transformationsprozesse anstoßen wollen und sich dem Abbau sozialer Ungleichheit widmen. Hierfür war er in der Praxis u. a. in der Eingliederungshilfe, Kinder- und Jugendhilfe sowie in Jugendbildungskontexten tätig.
Im Projekt DEMO-WORK ist er für die Empirie mitverantwortlich und erforscht am Datenmaterial, wie Praktiker*innen im Kontext ihrer Berufsbiographie professionelles Digital Streetwork praktizieren.
Cornelia Heyken
Praxis
Cornelia Heyken verfügt über einen Magisterabschluss in Erziehungswissenschaften und Linguistik. Bei der Amadeu Antonio Stiftung arbeitet sie seit 2014 an verschiedenen Projekten; unter anderem entwickelte sie ab 2015 gemeinsam mit Christina Dinar und später Theresa Lehmann und Jerome Trebing das Konzept der „Digital Streetwork“, das seither kontinuierlich angepasst, erprobt und für diverse Handlungsfelder und Plattformen etabliert wurde. Zudem entwickelte sie Bildungsmaterialien zum Thema Hate Speech u. A. Formen von Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und baute ab 2016 ein Trainer*innen-Netzwerk auf, das sie bis heute ehrenamtlich koordiniert. Derzeit erprobt sie ihr 2024 entwickeltes Konzept des „Pädagogischen Community Managements“ (PCM) im Rahmen eines Bildungsprojekts zu antisemitischen Inhalten auf TikTok und arbeitet gemeinsam mit Jerome Trebing an einem pädagogischen Beratungskonzept.
Im Projekt DEMO-WORK widmet sie sich schwerpunktmäßig der Analyse akademischer und formalisierter Wissensbestände zu Digital Streetwork. Diese fundierten Erkenntnisse bereitet sie – kombiniert mit eigens von ihr erarbeiteten Inhalten – passgenau für die Entwicklung des KI-Prototypen auf.
Jerome Trebing
Praxis
Jerome Trebing studierte Soziale Arbeit und Soziologie und verbindet sozialarbeiterische Praxis mit wissenschaftlicher Reflexion. Als Anti-Gewalttrainer entwickelte er Konzepte und Qualifizierungsangebote im Bereich Gewaltschutz und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Gewalt- und Radikalisierungsprävention in der Kinder- und Jugendhilfe. Bei der Amadeu Antonio Stiftung entwickelt er gemeinsam mit Cornelia Heyken den Ansatz des Digital Streetwork kontinuierlich weiter und setzt sich insbesondere mit der Professionalisierung digitaler Sozialer Arbeit sowie der Erschließung von Gaming-Communities und anderen digitalen Sozialräumen als Handlungsfelder Sozialer Arbeit auseinander.
Im Projekt DEMO-WORK bringt er diese hybride Perspektive aus Praxis und Wissenschaft ein. Sein Schwerpunkt liegt auf der ethnografischen Beobachtung und Analyse von Digital-Streetwork-Praxis sowie der Entwicklung professioneller Standards, die sozialarbeiterisches Erfahrungswissen systematisieren und für die Praxis nutzbar machen.